Tagesschau

Rauben die Israelis den Palästinensern das Wasser?

 

Die Auseinandersetzung um einen Beitrag der Tagesschau und der Tagesthemen (ARD) vom Sonntag, dem 14. August 2016

https://www.facebook.com/tagesschau/videos/10154445609104407/https://www.facebook.com/tagesschau/videos/10154445609104407/

 

Derr Beitrag wurde inzwischen von der Seite der Tagesschau entfernt...

 

Hier ist es aber noch zu sehen:

https://www.youtube.com/watch?v=XJOMahTzsEY

 

Sprecher: Jan Hofer

Autor des Berichts: Markus Rosch/ARD-Studio Tel Aviv

Sachverständiger vor Ort: Clemens Messerschmid, Hydrologe

Befragte Familie: Ali Osman/Salfit/Westjordanland

 

Abstract:

Im Westjordanland herrscht Wasserknappheit. In dem Ort Salfit und anderen gibt es kein Fließwasser, die israelische Armee verbietet ohne Begründung den Brunnenbau. Die Wasserversorgung wird mittels Tankwagen aufrechterhalten, die zweimal die Woche Wasser bringen.

Die Familie Osman aus Salfit berichtet von ihren Problemen: sie kann die Waschmaschine nicht benutzen, das Geschirr nicht spülen, sie muss Plastikteller benutzen, die Kinder können nicht duschen.

Die Gegend sei jedoch wasserreich und die nahe jüdische Siedlung Schiloh verfüge über genügend Wasser.

 

Zuschauerreaktion auf den Bericht:

Die ARD erhält nach der Sendung auf ihrer Facebookseite sowie per E-Mail Hunderte von Protestschreiben.

Zusammenfassung der wichtigsten Kritikpunkte:

 

1. Warum wurde zu dem Problem kein einziger verantwortlicher Israeli befragt?

2. Der Journalist Markus Rosch hat bereits früher durch israelfeindliche Aussagen und ungenaue Recherche von sich reden gemacht. Dadurch entstehen Zweifel an seiner Objektivität. Juden in Israel bezeichnet er ausnahmslos als Siedler.

 

Genaueres siehe hier:

https://tapferimnirgendwo.com/2016/08/21/markus-rosch-ist-ein-gebuehrenfinanzierter-wiederholungstaeter/

3. Der Hydrologe Clemens Messerschmid spricht sich ausdrücklich für Anwendung von Gewalt gegen Israel aus.

 

Siehe:

http://www.wissenschaft-und-frieden.de/seite.php?artikelID=0211

 

Er schreibt außerdem for die Electronic Intifada und gibt dem Muslim-Markt Interviews. Der Muslim-Markt ist eine Plattform der deutsch-türkischen Brüder Özuguz, die Anhänger der Islamischen Republik Iran sind, welche Israel als ein auszumerzendes Krebsgeschwür in der islamischen Welt ansieht.

 

Siehe:

http://www.muslim-markt.de/interview/2014/messerschmid.htm

Messerschmids Objektivität ist ebenfalls fraglich.

4. Wieso besitzt die Familie Osman eine Waschmaschine, wenn ihr Ort keinen Wasseranschluss hat? Warum sieht man im Bild Stapel von normalem Geschirr, wenn nur Plastikteller verwandt werden?

 

Hintergrundinformation durch den Journalisten Ulrich Sahm/Jerusalem 14.8.2016

 

1. Die umstrittenen Gebiete (Westjordanland) erhalten ihr Wasser aus Israel. Die in den Osloer Verträgen 1993 festgelegte Menge wurde von Israel freiwillig um ein Drittel erhöht. Die Palästinenser bezahlen ihre Wasserrechnungen nicht und verlangen von der EU, dass diese sie bezahlt.

2. Anfang August unterbrach ein Wasserrohrbruch die Wasserzufuhr nach Salfit und den nahen jüdischen Siedlungen. Deshalb gab es tatsächlich Wasserknappheit.

3. In Israel wird 90% des verbrauchten Wassers geklärt und für die Landwirtschaft genutzt. Dadurch wird enorm viel Frischwasser gespart und es werden die Kosten gesenkt. Die Palästinenser lehnen geklärtes Wasser ab und bewässern die Felder weiterhin mit Trinkwasser.

4. Messerschmid behauptet, die Gegend sei wasserreich und der niedergehende Regen falle in den Palästinensischen Gebieten. Das ist zwar richtig; es handelt sich aber um Gebirgsland, und das Wasser tritt am Fuß der Berge auf israelischem Gebiet erst an die Oberfläche.

5. 2014 gab es infolge heftiger Regenfälle Überschwemmungen in Gaza. Damals behauptete Messerschmid, Israel habe Staudämme geöffnet, um Gaza zu überfluten. Solche Staudämme existieren überhaupt nicht. Nach dieser falschen Information ist Messerschmid kein vertrauenswürdiger Experte mehr.

http://honestlyconcerned.info/2016/08/15/ulrich-w-sahm-wassernot-in-der-ard-tagesschau-redaktion/

 

Stellungnahme der ARD zu diesen Kritikpunkten:

 

1. Zur Zeit der Dreharbeiten „galt der Wasserrohrbruch als repariert.“

2. Die ARD stellt sich voll und ganz hinter Herrn Messerschmid, der bestreitet, die von Sahm erwähnten Aussagen bzgl. der Öffnung der Staudämme jemals gemacht zu haben.

3. Eine israelische Stimme habe wegen eines hohen jüdischen Feiertages nicht zur Verfügung gestanden. Aus Rücksicht auf den Feiertag habe man auch die Schwimmbäder in den Siedlungen nicht filmen wollen.

4. Der Wassermangel im Westjordanland sei vielfach dokumentiert.

Siehe:

http://blog.br.de/studio-tel-aviv/2016/08/15/stellungnahme-zur-kritik-am-tagesthemen-beitrag-vom-14-08-2016.html

 

Dazu Stellungnahme von Ulrich Sahm:

 

1. Selbst wenn die Bewohner von Salfit durch Wassertanks versorgt werden müssen, liegt ihr Pro-Kopf-Verbrauch höher als der in Deutschland (167 l zu 126 l).

2. Erst 1968, nach Beendigung der jordanischen Besatzung bekam das nun von Israel besetzte Westjordanland Wasseranschlüsse. Bis heute wurden jedoch keine Wasseruhren angebracht, weshalb das Wasser auch nicht bezahlt wird. Verantwortlich ist dafür allein die Palästinensische Autonomiebehörde, da Salfit in der Zone A liegt. Israel hat Modernisierungen der Infrastruktur angeboten, kann diese aber ohne die Genehmigung der Autonomiebehörde nicht durchführen. Die Genehmigung wird nicht erteilt. Ein großer Teil des von Israel gelieferten Wassers versickert durch die maroden Leitungen oder wird durch Anzapfen gestohlen.

3. Trotz Wassermangel betreiben die Palästinenser Swimmingpools, spritzen ihre Straßen mit Hydranten ab und betreiben in mehreren Städten Wasserfontänen.

4. Einen jüdischen Feiertag hat es in der Zeit, als der Film gedreht wurde, überhaupt nicht gegeben. Wenn man gewollt hätte, wäre ein israelischer Sachverständiger mit Sicherheit zu befragen gewesen. Stattdessen befragt die ARD schon zum zweiten Mal den wohlhabenden Ali Osman aus Salfit.

http://honestlyconcerned.info/2016/08/16/ulrich-w-sahm-meine-antwort-auf-die-ard-nachbemerkungen-zu-unseren-beitraegen-ueber-wassermangel-im-westjordanland-tagesschau-und-tagesthemen-vom-14-8-2016/

 

Weitere Presseberichte:

 

Auch die Bildzeitung nahm sich der Sache an.

Siehe:

http://www.bild.de/politik/ausland/westjordanland/wasser-beitrag-ard-47343750.bild.html

Ebenso der Focus

Siehe:

http://www.focus.de/kultur/kino_tv/wassernot-in-westjordanland-ard-verteidigt-tagesschau-beitrag-und-loest-erneut-empoerung-aus_id_5834775.html?fbc=fb-shares

 

Die ARD gab inzwischen bekannt, den Bericht über die Wasserknappheit noch einmal überarbeiten zu wollen.